Fein & Edel LP-Cover

Fein & Edel – Neues Album 2026

Fein & Edel – Neues Album 2026 – Neues Album!
Schlechte Nachrichten ereilen die oberfränkische Städte: Es gibt neues Material!


Feilinger hat sich mal wieder einen Winter lang in die Untiefen des Steinbühlstudios begeben und tritt nun mit einer kraftvollen Platte an, die den nicht ganz ernst gemeinten Albumtitel dennoch nicht zu scheuen braucht. Für Abwechslung ist mal wieder gesorgt.

Gleich zu Beginn begibt sich Feilinger mit „Wir fahren in Urlaub“ in die Dimensionen der angewandten Gesellschaftskritik und greift schamlos und ausufernd die Klischees, Abgründe und Facetten des omnipräsenten Tourismus-Wahns der heutigen Zeit auf. Selbstverständlich ist das Stück auch als Selbstkritik entstanden, denn wer sind wir denn. Am Ende kann er aber dann doch nicht anders und muss wiederholt auf die Vorzüge des Daheim-Bleibens hinweisen, denn am schönsten ist es für ihn halt doch im Frankenland.

Mit dem nicht weniger energetischen „Melanie“ arbeitet Feilinger rückblickend die Gefühle einer lang vergangenen Liasion auf. Warum es hier ausgerechnet um eine Melanie geht, kann er sich selbst nicht erklären. Vielleicht war Alkohol im Spiel oder gar Liebe, wer weiß. Das Riff jedenfalls bleibt im Ohr und regt zum Hupfen an, ein typischer Feilinger-Track also.

Nachdem nach den ersten beiden Titeln also der Bänderriss definitiv wieder zu spüren sein wird, deutet sich mit dem Klavierstück „Nur so“ die nachdenkliche Seite des jungen Liedermachers zunehmend an. Skizzenhaft zweifelt Feilinger hier die Hoffnung auf eine erfüllte Zukunft an und hält trotzdem in ausreichender Form die Waage zwischen Allgemeingültigkeit und Tiefgründigkeit. Dass unerwartete und umso verführerische Klaviersolo lässt dem sonst so stampfenden Stück eine ganz andere Klangfarbe zukommen, die von einer zooähnlichen Klangkulisse umrahmt wird. Lassen Sie sich überraschen.

Tiefste Zufriedenheit und Liebe zur Gemütlichkeit eröffnet sich mit dem Stück „Wohin du willst“. Sehr wohl als intensives Liebeslied interpretierbar ist es mit seinen diversen Rhythmen- und Nuancenwechseln viel mehr als das. Kein typisches Lied sondern ein Stück abstrakter Musik, das jeden Stoffel noch zum Tagträumen anregen wird. Schwelgen, schlendern, atmen – wer einer solchen Musik aufrichtig zuhört braucht keine Beruhigungstabletten mehr. Ein Stück unbeschreiblichen Genusses, edler und feiner als es jedes Atom Schokolade jemals sein kann.

Mit „A Leben lang“ wird dann jeder transzendierte Neo-Mandala-Yogaist plötzlich wieder in die nackte ländliche Realität zurückkatapultiert und bekommt auf über 5 Minuten Spielzeit die Breitseite der Probleme diagnostiziert, die der demographische Wandel immer mehr hervorruft. Selbstverständlich ist es auch eine Ode an die Schönheit und Selbstverständlichkeit des ländlichen Lebens, wie es Feilinger zu lieben lernte. Dass sich vieles ändert ist ja gut, in vielerlei Hinsicht passieren eben auch viele Dinge in den peripheren Regionen, die diese zunehmend leb- und lieblos erscheinen lassen. Ergebnis rückratloser Regungslosigkeit oder schlicht eine Frage der Zeit?

Hören Sie selbst. „Nur mit dir“ – manchmal und vielleicht auch oft gibt es sie dann – diese eine Person die all das ist was man sich niemals erträumt hätte. In diesem Fall natürlich völlig positiv gemeint. Ein Gefühl von Schmetterlingen im Bauch und einem zweiten Frühling der niemals enden soll – ein Abbild reflektierter Reife und fulminanter Zweisamkeit. Denn plötzlich ist einfach alles so einfach. Weniger einfach sind dann die Tragödien des Lebens, die einem die wichtigen Menschen entziehen, die einem so viel Kraft und und Bedeutung im Leben geschenkt haben. Sind diese einmal weg, so schwebt doch gewisses Gedankengut im Schädel des ein oder anderen und man fragt sich: Sieht man sich doch mal wieder, gibt es ein anderes Leben nach diesem Leben?

Mit „Falls der Wind“ begibt sich Feilinger in ein Gespräch mit einer ihm wichtigen Person, die nicht mehr physisch erreichbar ist in diese Welt, aber trotzdem immer ein Teil seines Lebens bleiben wird. Ganz kalt wird es einem bei diesen Gedankenspielen.

Umso konsequenter geht es weiter mit dem Stück „Und es is kalt“ , das die Gefühlskälte einer sich auseinanderentwickelnden Zweisamkeit schnörkellos und ehrlich beschreibt. Alles hat eben seine Zeit.

So warm die Liebe auch sein kann, so kalt sind auch Entzug und Abschied von ihr. „Nix is so schee wie a Sommerregen“ singt „Feilinger im schwungvollen Nachfolger namens „Sommerregen“ und meint das nicht nur metapher-artig, sondern spannt auch den Bogen hin zu den Hoffnungen, die so mancher Hitzesommer der letzten Jahre hervorgerufen hat. Wie schön ist doch ein Sommerregen, wenn er so lange ersehnt wurde. Wie gern wünscht man sich doch immer das was man gerade nicht hat und ist es dann da, ist es auch nicht immer recht. Als Message will Feilinger hier nicht nur darauf hinweisen, dass ein Moment nicht durch optimal geplante Umstände hervorgezaubert wird. Sondern das Glück ist oftmals umso intensiver greifbar, wenn es augenscheinlich so gar nicht vorherzusehen war. So kann eben auch ein Sommerregen ein Moment des Glückes werden. Ein nachdenkliches Stück, das aber ganz sicher aussagen will: die Zukunft ist noch nicht entschieden, genieß das was du hast und tu ganz viel von dem was dir gut tut!

Zurück zum Anfang oder weiter in dem anfangs eingeläuteten Gedankenstrang endet das Album mit dem monumentalen „Im Süden“- hier werden nicht nur die mannigfaltigen Sehnsüchte der Süd-Sucht zelebriert sondern auch ein Lebensgefühls aufgezeigt, das Feilinger ebenso ans Herz gewachsen ist, wie so manchem Teilzeitschwärmer. Ein krönender Abschluss, mit dem wohl einprägendsten Gitarrenmantra des Albums, das lautmalerisch die Aufbruchsstimmung und Vorfreude einer bevorstehenden oder beginnenden Reise in Musik verwandelt.

Horchts nei, Feilinger freut sich.

Habe die Ehre. (D Éhre)

Veröffentlicht in: Musik